Schwer- und Maschinentransport: Berufsbilder unter der Lupe

BERUFSBILDER UNTER DER LUPE


Immer dann, wenn Güter im Straßenverkehr transportiert werden, die entweder überdurchschnittliche Maße oder Gewichte haben, kommt es zu einem Zusammenspiel mehrerer Akteure. Nur durch das perfekt abgestimmte Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Berufsgruppen ist es überhaupt möglich, Lasten der Kategorie Schwer- und Maschinentransporte sicher zu bewegen – denn diese logistischen Leistungen stellen die Verantwortlichen vor eine Vielfalt an Herausforderungen.

 

BESONDERE HERAUSFORDERUNGEN BEI SCHWERTRANSPORTEN

Transportlasten, die nicht maß- oder lastgerecht für den normalen Gütertransport sind, werden als „Schwertransporte“ definiert. Die Straßenverkehrsordnung unterscheidet dazu in vier verschiedene Kategorien:

  • Großraumtransporte

hohe Abmessungen aber verhältnismäßig geringes Gewicht, beispielsweise Öltanks

  • Schwertransporte

kleine Abmessungen, aber hohes Gewicht, zum Beispiel Großbauteile aus Beton

  • Großraum- und Schwertransporte

Kombination aus den beiden ersten Kategorien, beispielsweise Turbinen, Schiffe, Maschinen

  • Langtransporte

Transportgüter mit Längen über 20 Meter, beispielsweise Rotorblätter von Windkraftanlagen.

Transportunternehmungen dieser Art müssen sehr gut geplant sein. Es gilt nicht nur, die erforderlichen Genehmigungen einzuholen oder die Strecke auf Tauglichkeit zu prüfen. Für eine Unternehmung dieser Art müssen vor allem die entsprechenden Fachkräfte geplant und eingesetzt werden, um auf alle Anforderungen professionell vorbereitet zu sein – denn: ein Schwertransport ist Teamarbeit.

Er besteht zumindest aus drei Fahrzeugen. Je nach Größe der Karawane kann aber auch wesentlich mehr Personal erforderlich sein. Insgesamt ist es wirtschaftlicher, mehrere Transporte zu einem Tross zusammen zu fassen.

PERFEKT KOORDINIERTE ZUSAMMENARBEIT ALS SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG

Ein Schwertransport ist keine One-Man-Show, sondern eine hoch konzentrierte Teamarbeit. Der Fahrer des eigentlichen LKW ist dabei nur ein Teil der gesamten Organisation. Folgende Fachkräfte sind für einen Schwertransport zudem erforderlich:

  • Planer
  • Lader
  • Begleiter
  • Streckenposten und -vorbereiter

BERUFSBILDER IM BEREICH SCHWERTRANSPORT

Wie bereits erwähnt spielen bei einer logistischen Meisterleitung wie der Bewegung sperriger Güter sehr viele Berufsbilder eine tragende Rolle. Die folgende Aufzählung konzentriert sich dabei auf die zentralen Fachkräfte, die während des Transports zum Einsatz kommen

Fahrer im LKW Fahrerhaus auf der Baustelle

FAHRER

Der Fahrer lenkt und rangiert den Transport-LKW entlang der geplanten Fahrstrecke oder entlang eines bestimmten Abschnitts. Ein Schwertransport sollte stets kontinuierlich und zügig vonstattengehen. Dabei ist vor allem seitens des LKW-Führers höchste Konzentration gefragt. Bei längeren Fahrtstrecken ist daher immer ein Ersatzfahrer angezeigt, welcher nach Erreichen der gesetzlich zulässigen Fahrzeit den LKW übernimmt.
Einen Schwertransport fahren darf eine Person, welche die folgenden Qualifikationen besitzt:

  • Mindestalter 21 Jahre
  • Führerschein Klasse C oder CE
  • Fahreignungsregister (Punktekonto in Flensburg) unter drei Punkten
  • gesundheitliche Eignung
  • gute Deutschkenntnisse

Die Ausbildung für diesen Tätigkeitsbereich nennt sich „Berufs-Kraftfahrer“. Fachkräfte mit dieser Ausbildung werden jedoch speziell für ihre Aufgaben geschult und erarbeiten sich so Zusatzqualifikationen, um für diese besondere Herausforderung geeignet zu sein. Auch Alter und Erfahrung spielen eine Rolle: Es geschieht sehr selten, dass ein Fahrer im gesetzlich vorgeschriebenen Mindestalter mit einem Schwertransport betraut wird. Deshalb werden diese Transporte meist von erfahrenen Fahrern durchgeführt, die etwas älter sind.

PLANER

Planer sorgen im Vorfeld eines Schwertransports dafür, Lösungen für eventuelle logistische Hindernisse und Herausforderungen zu finden. Sie halten die Ergebnisse ihrer Vorarbeit in Dokumenten fest, die als Grundlage für die Durchführung des Projekts dienen. Sie kontrollieren auch den Erfolg des Projekts anhand von Kennzahlen und leiten Gegenmaßnahmen ein, wenn sich zwangsweise Änderungen ergeben. Sie arbeiten interdisziplinär mit allen operativen Fachkräften zusammen und benötig folgende Fertigkeiten:

  • analytische wie wirtschaftliche Denkweise
  • kommunikative Fähigkeiten
  • Verlässlichkeit
  • Langjährige Erfahrung
  • IT-Kompetenz
  • Problemlösungs-Mentalität

Planer müssen zudem extrem konzentriert an ihre Aufgabe herangehen. Fehler bei der Vorbereitung sind absolut fatal und bedeuten im besten Fall einen erheblichen Mehraufwand. Schwerwiegende Fehler in der Planung können aber auch zum Scheitern des gesamten Projekts führen. So kann ein Schwertransporter zum Beispiel nicht einfach wenden, wenn eine Durchfahrt zu eng ist – ein zu schwacher LKW kann bei Steigungen mit der schweren Last überfordert sein. In letzterem Fall können zum Beispiel Auflieger Abhilfe verschaffen, die über einen Eigenantrieb verfügen.

Eine Möglichkeit, sich zum Planer ausbilden zu lassen, ist der Studiengang „Transport-Manager“. Aber auch Quereinsteiger aus anderen logistisch anspruchsvollen Bereichen kommen für diese Aufgabe in Frage.

LADER

Transportgüter auf Schwertransportern unterliegen einer besonderen Sorgfaltspflicht bei der Beladung. Da sie in keine genormten Behälter passen, werden sie meist offen transportiert. Sie müssen nach einem berechneten System mit den passenden Spannmitteln auf dem Auflieger befestigt werden. Dabei gilt es, viele verschiedene Faktoren zu beachten und genau zu berechnen. Sie verfügen idealerweise über folgende Fertigkeiten:

  • Genauigkeit
  • Sehr gute Fertigkeiten in den Bereichen Mathematik und Physik
  • Hohes Maß an Eigenverantwortung
  • Ausgeprägte Kenntnisse der geltenden Normen und Gesetze

Von der präzisen Ausrichtung nach Schwerpunkt über die Einhaltung der maximalen Breite bis zur Wahl der passenden Spannmittel, ihrer Menge und deren Anschlagspunkte – all das fällt in den Aufgabenbereich der Lader. Auch das Anbringen von Warnschildern, Reflektoren und Hinweisen gehört zu ihren Aufgaben. Lader benötigen ebenfalls spezielle Zusatzqualifikationen, die üblicherweise auf Ausbildungen im Bereich Lagerlogistik, Transport oder Fahrzeugtechnik aufbauen.

BEGLEITER

Fahrer von Begleitfahrzeugen müssen zunächst einmal einen gültigen Führerschein für PKW und Kleintransporter besitzen. Sie sollten ebenfalls nicht verkehrsauffällig geworden sein, die deutsche Sprache beherrschen und auch nachts konzentriert arbeiten können. Darüber hinaus benötigen sie eine besondere Qualifikation.

Die genaue Berufsbezeichnung lautet „Fahrer für Begleitfahrzeuge zur Absicherung von Großraum- und Schwertransporten mit Wechselverkehrszeichen-Anlage (BF3)“ Die Wechselverkehrszeichen-Anlage bezeichnet hier das große Schild mit der Aufschrift „Schwertransport“.
Die Ausbildung zum Begleitfahrer dauert ca. 2 Tage. Sie ist für zwei Jahre gültig, dann ist eine Auffrischung erforderlich.

Die Anforderungen an die Begleiter kann dabei von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sein. Es gehört zur Arbeit des Planers, diese Informationen im Vorfeld einzuholen und entsprechend umzusetzen. Im VwV zu §29 III StVO RN 134 ist zudem genau festgehalten, ab wann die Beanspruchung privater Dienstleister nicht mehr ausreichend ist – etwa dann, wenn die Straßenverhältnisse als besonders herausfordernd eingestuft werden sowie wenn das zu befördernde Gut besonders sperrig ist oder ein erhöhtes Gefahrenpotential vorliegt.

Für solche Transporte ist die Begleitung durch die Polizei gesetzlich verpflichtend.

Sicherungsfahrzeug für Begleitung von Schwertransporten

STRECKENPOSTEN UND VORBEREITER

Streckenposten und Streckenvorbereiter fahren normalerweise beim Begleiter mit und unterstehen seinen Weisungen. Sie führen die handwerklichen Tätigkeiten aus, die für die Vorbereitung der Strecke erforderlich sind. Eine spezielle Ausbildung dazu gibt es nicht. Folgende Kenntnisse sind für Strecken-Vorbereiter aber zwingend notwendig:

  • handwerkliche Geschicklichkeit
  • genaues Arbeiten unter Zeitdruck
  • routinierter Umgang mit Trennschleifer, Schraubwerkzeugen und Schneidbrennern sowie deren Wartung und Instandhaltung
  • Schweißqualifikation

Diese handwerklichen Fähigkeiten dienen dazu, Verkehrsschilder, Geländer und andere Hindernisse schnell und fachgerecht zu demontieren und wieder anzubringen. Für Schweißarbeiten ist eine entsprechende Qualifikation erforderlich. Diese muss mitgeführt und ggf. vorgezeigt werden.

ZUSAMMENSPIEL WÄHREND DES SCHWERTRANSPORTS

Ein Schwertransport ist ein hoch konzentriertes Unterfangen, welches zwingend auf die Zusammenarbeit des gesamten Teams angewiesen ist. Der Planer legt im Vorfeld sozusagen die Strategie fest, damit der Fahrer das Transportgut, dass vom Lader fachgerecht geladen wurde, ordnungsgemäß transportieren kann.

Während des eigentlichen Transports sind alle Beteiligten mit Funkgeräten ausgestattet. Die vorausfahrenden Streckenvorbereiter informieren damit den Fahrer darüber, ob die Strecke frei ist oder ob Hindernisse zu erwarten sind, die der Planer nicht voraussehen konnte.

Es kann immer passieren, dass ein Baum auf der Straße liegt oder ein Verkehrsunfall den Weg blockiert. Das Anhalten eines Schwertransports ist ein koordinierter Vorgang, welcher Übung und Vorbereitung benötigt. Deshalb ist der Funkkontakt zwischen Begleitfahrzeug und Fahrer unverzichtbar.

Gleiches gilt für das nachfolgende Fahrzeug. Es informiert den Fahrer, wenn sich ein anderer Verkehrsteilnehmer verbotswidrig zu einem Überholmanöver ansetzt. Ein aktives Ausbremsen eines überholenden Fahrzeugs ist jedoch nicht gestattet!

Besonders bei akut auftretenden Gefahren ist das nahtlose Zusammenspiel aller Akteure zwingend erforderlich. Schwertransporte fahren zwar mit 20 – 40 km/h sehr langsam – der Bremsweg ist jedoch aufgrund des hohen Transportgewichts unverhältnismäßig lang.

BERUFLICHE PERSPEKTIVEN IM BEREICH SCHWERTRANSPORTE

Der Maschinenbau ist eine der wichtigsten Branchen in Deutschland. Das macht den Schwertransport zu einem sicheren Sektor, da diese Dienste praktisch immer gebraucht werden. Schwertransporter-Mannschaften bilden häufig eingeschworene Gemeinschaften, bei denen sich einer auf den anderen verlassen kann. Das macht dieses Berufsfeld besonders für ausgeprägte Teamplayer interessant. Wer sich einmal durch Mitdenken, Zuverlässigkeit und Belastbarkeit bewiesen hat, der findet in einem Schwertransporter-Team schnell Anerkennung.

Jedoch erfordert die hohe Verantwortung auch die entsprechende Disziplin und Konzentration. Wer Probleme damit hat, vorwiegend nachts zu arbeiten, für den ist die Welt des Schwertransports wohl nicht das Richtige. Wer aber spannende Aufgaben, immer neue Herausforderungen und gute Aufstiegsmöglichkeiten sucht, der kann sich langfristig beruflich verwirklichen. Mit Disziplin und Lernfleiß ist eine Karriere vom einfachen Transportbegleiter zum hauptverantwortlichen Fahrer durchaus möglich.

Die früher vor allem von Männern dominierte Welt des Schwertransports hat sich inzwischen auch für die Frauen geöffnet. Es gibt genügend technikbegeisterte Mädchen, die bereits nach ihrem Schulabschluss in diesem spannenden Berufsfeld ihr Glück finden.

TEAMARBEIT

Als Mitglied eines Schwertransporter-Teams wird man mit jeder Fahrt wertvoller. Qualifikation ist gut und wichtig. Was aber wirklich zählt, das ist Erfahrung. Anfänger sollten deshalb immer Augen und Ohren offenhalten und so schnell alles mitnehmen, was sie lernen können. Je besser man in dieser Welt zurechtkommt, desto sicherer wird der Job. Die Welt des Schwertransports ist dennoch höchst anspruchsvoll und erfordert eine hohe Konzentration von allen Beteiligten.

Aufgrund der professionellen Zusammenarbeit sind Unfälle mit Schwertransportern im Vergleich zu anderen Berufszweigen mit ähnlich hohen Anforderungen relativ selten. Das macht den Beruf wesentlich ungefährlicher als beispielsweise den des LKW-Fahrers.

Die langsame Geschwindigkeit trägt ihres dazu bei, dass Schwertransporte wesentlich sicherer unterwegs sind als normale Verkehrsteilnehmer. Doch hauptverantwortlich für die Sicherheit und den Erfolg im Maschinen- und Schwertransport ist das interdisziplinäre Zusammenspiel aller Beteiligten.

 

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