Sicheres Arbeiten mit Gabelstaplern

Wichtige Grundlagen für jeden Fahrer und Unternehmer

Ohne Gabelstapler – in all ihren Ausführungen – geht in vielen (produzierenden) Unternehmen, sowie im Bereich der Logistik nichts. Die kompakten Abmessungen gepaart mit einer starken Leistungsfähigkeit und der großen Wendigkeit machen ihn zu einem flexiblen und vielseitig Einsetzbaren Fahrzeug. Die Arbeit birgt jedoch auch ein hohes Gefahrenpotential.

Für einen sicheren Umgang sind zahlreiche Faktoren ausschlaggebend, die sich in Abhängigkeit des Einsatzbereichs, der jeweiligen Aufgabe oder auch den Fähigkeiten des Fahrers unterscheiden können. So gibt es zahlreiche Details, die es im Einsatz zu beachten gibt. Wir liefern Antworten zu zahlreichen Aspekten rund um die Arbeitssicherheit mit Gabelstaplern.

 

STAPLER: NUTZEN UND GEFAHREN DICHT BEEINANDER

Gabelstapler zählen für den gesamten logistischen Bereich bis hinein in sämtliche Nischen als eines der wichtigsten Fahrzeuge bzw. Arbeitsgeräte. Was mit seinen Gabelzinken, meist angetrieben durch hydraulische Kraft, bewegt werden kann, geht weit über das hinaus, zu was der Mensch fähig ist. Gleichzeitig ist der Stapler um ein Vielfaches schneller und lässt sich dabei bequem und zu sehr geringen Betriebskosten einsetzen.

Allerdings bringt die Arbeit mit dem Gabelstapler durch dessen Konstruktion auch eine Reihe inhärenter Gefahren mit sich:

  • Die oftmals räumlich recht enge Umgebung, in dem sich der Stapler bewegen muss – etwa in einer Maschinenhalle.
  • Der Einsatz in engstem Abstand zu anderen Personen, Installationen und Ausrüstungsgegenständen.
  • Das bei vielen Gabelstaplern notwendigerweise starre (ungefederte) Fahrwerk in Kombination mit der typischerweise kurz übersetzten Hinterradlenkung.

Die Vielfalt der Bedienelemente – insbesondere bei Staplern, die über zusätzliche Funktionen verfügen, welche vom allgemeinen Standard abweichen.

  • Die Tatsache, dass die eigentliche Arbeit der Gabelzinken häufig einige Meter über dem Kopf des Fahrers stattfindet, wobei dieser zusätzlich durch Mast, Gabelträger und Sicherheitsdach keine gänzlich freie Sicht auf das Geschehen hat.
  • Die oftmals sehr hohen Lasten, die außerhalb der Fahrzeugmittelachse nach unten wirken und nur durch das Heckgewicht ausgeglichen werden.

Hinzu kommt, dass einige Gabelstapler-Varianten auch technische Kompromisslösungen darstellen. Etwa der Mitnahmestapler, der sehr kompakt sein muss, um als Arbeitsgerät von LKW zusätzlich mitgeführt werden zu können.

Die Sicherheit bei der Arbeit mit Staplern muss ständig oberste Priorität haben. Dafür ist allein schon das Risiko zu groß und real, teure Schäden zu verursachen – selbst wenn es bei Sachschäden bleibt. Gut 35.000 Unfälle mit Flurfördermitteln passieren jährlich in Deutschland, knapp zwei Drittel davon unter Beteiligung von Gabelstaplern. Für das sichere Arbeiten mit Staplern sind folgende Punkte wichtig.

 

1.AUSSCHLIESSLICH AUSGEBILDETES PERSONAL NUTZEN

Oberflächlich betrachtet könnte man zu der Ansicht gelangen, dass jeder einen Stapler fahren dürfte – schließlich wird das Gerät typischerweise auf privatem Grund bewegt, wodurch automatisch keine Pflicht zum Besitz einer Fahrerlaubnis besteht.

Doch tatsächlich gilt auf Betriebsgeländen immer auch die BG‑Vorschrift D27, auch bekannt als „Unfallverhütungsvorschrift Flurförderfahrzeuge“.

Hier ergeht aus §7 ganz klar:

„(1) Der Unternehmer darf mit dem selbständigen Steuern von Flurförderzeugen mit Fahrersitz oder Fahrerstand Personen nur beauftragen, die

  1. mindestens 18 Jahre alt sind,
  2. für diese Tätigkeit geeignet und ausgebildet sind und
  3. ihre Befähigung nachgewiesen haben. Der Auftrag muss schriftlich erteilt werden.

[…] Fahrer von Flurförderzeugen sind für diese Tätigkeit ausgebildet und befähigt, wenn sie nach dem BG-Grundsatz „Ausbildung und Beauftragung der Fahrer von Flurförderzeugen mit Fahrersitz und Fahrerstand“ (BGG  925) geschult worden sind, eine Prüfung in Theorie und Praxis bestanden haben und darüber einen Nachweis vorlegen können.

Das heißt also zunächst, dass jeder Fahrer zwingend einen Gabelstaplerschein besitzen muss, für den wir die nötigen Unterweisungen anbieten. Allerdings ist der Schein lediglich die Basis, um überhaupt Gabelstapler in einem gewerblichen Umfeld bedienen zu können.

Ferner ergeht aus der genannten UVV auch die Maßgabe, dass jeder Fahrer eine fahrzeugspezifische Unterweisung erhalten muss und außerdem (etwa bei Neuanstellung) auch in die Besonderheiten des Betriebes eingewiesen werden muss.

Diese Maßnahmen sorgen für ein wichtiges Grundgerüst, welches viele Risiken deutlich minimiert. Jedoch ist auch geschultes Personal nur die Basis, auf der weitere Sicherheitsmaßnahmen aufbauen sollten.

Quelle: stock.adobe.com © LIGHTFIELD STUDIOS

 

2. DAS AREAL STAPLERTAUGLICH GESTALTEN

Viele Gabelstapler lassen sich – bedingt durch ihren technischen Aufbau – gerade auf ebenem, glatten Untergrund einsetzen. Ausnahmen wie Geländestapler bestätigen diese Regel. Das heißt, dass die Fahrzeuge grundsätzlich nur auf einem Untergrund bewegt werden sollten, der für ihre technischen Notwendigkeiten eingerichtet ist:

  • Der Untergrund sollte nach Möglichkeit eine geschlossene Ebene darstellen. Ein Betonboden ist deshalb deutlich besser geeignet als beispielsweise Verbundpflaster.
  • Fugen, Schwellen, Hügel, Senken und dergleichen sollten minimal ausfallen. Vor allem im Außenbereich muss eine hochfunktionale Entwässerung sichergestellt sein.
  • Rampen und ähnliche Auffahrten sollten einen Neigungswinkel besitzen, der deutlich unter dem technisch Möglichen des jeweiligen Staplers liegt.
  • Die Räumlichkeiten müssen so gestaltet sein, dass ein Rangieren auch für weniger versierte Fahrer problemlos möglich ist.
  • Die Verkehrswege sollten entsprechend der Arbeitsstättenverordnung entwickelt und gekennzeichnet werden, sodass keine Gefahr für Unfälle zwischen Stapler und Fußgängerverkehr besteht. Ferner darf es niemals temporäre (überraschende) Hindernisse geben – etwa zwischengelagerte Güter auf Paletten.

 

Wichtig ist in diesem Zusammenhang jedoch auch, dass die Fahrer dazu angehalten werden, die individuellen betrieblichen Vorgaben anzuerkennen. Das bedeutet äußerste Vorsicht beim Befahren von Gefällestrecken und keine Notwendigkeit (oder sogar Möglichkeit) zum Wenden auf diesen.
Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang eine Arbeitskultur, die dafür Sorge trägt, dass jederzeit genügend Stapler und Fahrer vorhanden sind, sodass niemals der Druck besteht, Sicherheit gegen Tempo bei der Arbeit einzutauschen. Dieser Punkt wird häufig vernachlässigt und ist gleichzeitig eine der grundlegendsten Ursachen für Unfälle mit Gabelstaplern.

Quelle: stock.adobe.com © petunyia

 

3. PASSENDE STAPLER EINSETZEN

Gabelstapler können sich grundsätzlich in ihrer Bauweise unterscheiden. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Modelle unterschiedlicher Hersteller. Eine weitere Gefahr für die Arbeit mit Staplern entsteht in der Folge, dass nicht jedes Modell für jeden Einsatzort und Arbeitsauftrag gleichermaßen gut geeignet ist.

Prinzipiell erstreckt sich dies nicht nur auf die Antriebstechnik, sondern auch die Abmessungen und Leistungsfähigkeit des Staplers. Zwei wichtige Punkte sind ausschlaggebend für die Eignung eines Flurförderfahrzeug für ein Unternehmen bzw. einen speziellen Arbeitseinsatz:

  • ausgelegt für den beengtesten Arbeitsbereich im Unternehmen
  • einsetzbar für die größtmöglichen potenziellen Lasten, die auftreten werden

Anders formuliert: So klein wie möglich, so leistungsstark wie nötig. Zudem muss die technische Ausstattung beachtet werden: Zusätzliche Hilfen, die der Sicherheit im Betrieb dienen, sorgen gleichzeitig für ein effizientes Arbeiten.

Passende Modelle sind jedoch nur ein Teil des Sicherheitskonzepts. Von Bedeutung ist darüber hinaus die Tatsache, dass Stapler – vor allem im Schichtbetrieb – einem hohen Verschleiß unterliegen. Daraus ergehen zwei maßgebliche Handlungsempfehlungen:

  1. Es muss bei allen Beteiligten eine Kultur der Aufmerksamkeit und Weitermeldung geschaffen werden. Schäden oder Verschleißerscheinungen dürfen niemals hingenommen oder nachrangig behandelt werden. Dazu sind sowohl die Fahrer angehalten wie auch das zuständige Fachpersonal, das die notwendigen Reparaturarbeiten direkt umsetzt.
  2. Die vom Hersteller vorgegebenen Wartungsintervalle sind genau einzuhalten. Notwendige Arbeiten sollten nur von für dieses Modell geeigneten Monteuren oder Fachbetrieben durchgeführt werden.

Quelle: stock.adobe.com © Riccardo Arata

 

4. BESONDERHEITEN IN ÖFFENTLICHEN BEREICHEN

In vielen Betrieben verlässt der Stapler lediglich für größere Reparaturen das abgeschlossene Firmengelände. In anderen Firmen müssen die Fahrzeuge jedoch auch auf öffentlichen Arealen arbeiten oder diese zumindest durchqueren. Dazu zählen öffentliche Straßen genauso wie private Bereiche, bei denen durch Duldung eine quasi-öffentliche Benutzung gegeben ist – etwa die ohne Schranke zugängliche Ladezone eines Industriebetriebs oder der Parkplatz eines Großhandelsunternehmens.

Damit ein Flurförderfahrzeug in diesen Einsatzbereichen sicher betrieben werden kann, sind eine Reihe von Maßnahmen zwingend vorgeschrieben:

  • Bei Staplern bis 20 km/h Höchstgeschwindigkeit muss eine Plakette mit Namen und Anschrift des Halters angebracht sein. Bei Staplern, die höhere Geschwindigkeiten erreichen können, muss am Heck ein amtliches Kennzeichen samt Beleuchtung vorhanden sein.
  • Der Stapler muss mit einer vollständigen Beleuchtungsanlage versehen sein (Scheinwerfer, Blinker, Begrenzungsleuchten, Rücklichter, Blinklichter, Rückfahrscheinwerfer und Rückstrahler).
  • Der Stapler muss mit einer vollständigen Beleuchtungsanlage versehen sein (Scheinwerfer, Blinker, Begrenzungsleuchten, Rücklichter, Blinklichter, Rückfahrscheinwerfer und Rückstrahler).
  • Der Fahrer benötigt ein Gurtsystem, eine Hupe sowie Außenspiegel.
  • Darüber hinaus ist auch die Verwendung von Reifen mit Profil zwingend vorgeschrieben.

Zu den ungeschriebenen, aber ebenso wichtigen Regeln gehört zudem, dass in solchen Bereichen noch umsichtiger und langsamer gefahren wird. Hier müssen Staplerfahrer sich jederzeit der Gefahr bewusst sein, dass nicht alle anderen Personen im Einzugsbereich sich den Risiken entsprechend verhalten.

Hinzu kommt vielerorts die im Vergleich mit kontrollierten Hallenbedingungen signifikant schlechtere Untergrundsituation. Sie bedingt ein besonders gefühlvolles Fahren, um nicht in gefährlichen Situationen (etwa Umkippen durch zu schnelles Befahren von Schlaglöchern) zu resultieren.

Quelle: stock.adobe.com © sas

 

5. VERMEIDEN BESONDERS RISKANTER MANÖVER

Nur ein geringer Teil aller Unfälle unter Beteiligung von Staplern geschieht durch unvermeidbare Probleme – etwa plötzliche technische Ausfälle. Beim Großteil liegt die Ursache in einer falschen beziehungsweise zu risikoreichen Nutzung der Stapler – nicht selten, weil zu großer Termindruck herrscht.

Neben dem bereits angesprochenen Arbeitsumfeld, welches solche Drucksituationen vermeidet, ist es deshalb auch wichtig, besonders riskante Manöver unbedingt zu vermeiden. Diese sind vor allem:

  1. Das Rangieren an engen Stellen ohne eine zweite Person, die als Einweiser fungiert.
  2. Das Bewegen des Staplers, obwohl sich die Zinken in einer hohen Position befinden.
  3. Zwillingsarbeiten mit zu schwachen Staplern. Solche Arbeiten sollten nur durchgeführt werden, wenn jeder beteiligte Stapler mindestens 2/3 der Last tragen kann.
  4. Rückwärtsfahren ohne ausreichende Einsicht. Eines der größten Unfallrisiken überhaupt.
  5. Zu schnelles Fahren. Insbesondere Kurven und Bergabfahrten mit Ladung sollten mit so wenig Tempo wie möglich durchgeführt werden, um ein Kippen zu vermeiden. Die Geschwindigkeit muss generell angepasst werden, damit auch Notbremsungen nicht zu einem Kippen führen können
  6. Eine Nutzung der Zinken zum Bewegen von Personen. Egal in welcher Konstellation: Dies ist schlicht und ergreifend verboten.
  7. Anheben und bewegen nicht ordnungsgemäß gesicherter Lasten. Wenn die Ladung auf einer Palette nicht fixiert ist, bieten die Gabelzinken selbst keinen ausreichenden Halt.
  8. Mangelnde Aufmerksamkeit beim Durchfahren von Hell/Dunkel-Grenzen. Bei beidem sollte nur mit Schritttempo agiert werden, damit die Augen sich anpassen können

Das vielleicht riskanteste Manöver ist jedoch eines, das nie mit Absicht geschieht: Routine. Je länger ein Fahrer „seinen“ Stapler fährt, je mehr die anfallenden Arbeiten „wie im Schlaf“ beherrscht werden, desto mehr kann sich eine gefährliche Sorglosigkeit entwickeln.

Dies sollte unbedingt vermieden werden. Abhilfe schafft hier eine gewisse Abwechslung – etwa, indem die Arbeitspläne so gestaltet werden, dass nicht jeder Fahrer während jeder Schicht stets dieselben Fahrten erledigen muss. In den meisten Firmen ist dies möglich und benötigt oft kaum mehr als intelligente Ablaufplanung.

Quelle: stock.adobe.com © Grispb

 

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